Die meisten Frauen im Jemen zeigen sich in der Öffentlichkeit nur mit
Schleier. Fotos oder gar Filmaufnahmen lehnen sie grundsätzlich ab. Die
Angst, "das Gesicht zu verlieren", ist groß.
Zum ersten Mal gelang es einem deutschen Fernsehteam, das Vertrauen
jemenitischer Frauen und einen Einblick in ihren privaten und beruflichen
Alltag zu gewinnen. Autorin Annette von Wangenheim, Kamerafrau Beatrix
Wiggeshoff und Tonfrau Kirsten Wohlrab begleiteten im Auftrag des WDR
zahlreiche Jemenitinnen mit der Kamera: Sayida Yahya Al-Haylama,
Chefredakteurin und Herausgeberin der einzigen staatsunabhängigen
Frauenzeitung des Landes, Dr. Saba Al-Salami, Gynäkologin am Modern Al-Thawr
Hospital, Naim Salah, Landfrau und die Braut Anhar Gaid bei den
Vorbereitungen und Feierlichkeiten ihrer Hochzeit.
Es entstand ein Film, der vielen europäischen Klischees von der Welt
arabischer Frauen und ihrem scheinbaren Leben in der Unsichtbarkeit starke,
selbstbestimmte und lebensfrohe Bilder entgegenhält. "Explosion der Stille"
handelt vom Selbstbewusstsein jemenitischer Frauen heute, 12 Jahre nach der
Wiedervereinigung des Süd- und des Nordjemen, 30 Jahre nach der ersten
Öffnung des Landes für Touristen und Gäste aus dem Westen. Jemenitische
Akademikerinnen und Analphabetinnen kommen gleichermaßen zu Wort. Dass die
meisten von ihnen bis auf die Augen verschleiert sind, sagt noch nichts über
den Grad ihrer Bildung oder ihrer Anerkennung in der Familie und in der
Gesellschaft. Viele Frauen zeigen sich in der Öffentlichkeit vor allem
deshalb verschleiert, um ihren persönlichen oder beruflichen Interessen
ungestört nachgehen zu können.
Die Verfassung des Jemen garantiert den Frauen zahlreiche zivile Rechte.
Sie können studieren, sämtliche Berufe ergreifen, wählen und bei Wahlen
kandidieren. Im Vergleich zu vielen anderen arabischen Ländern haben
Jemenitinnen relativ viele Möglichkeiten, am Demokratisierungsprozess ihres
Landes aktiv teilzunehmen. Die größten Hindernisse auf dem Weg in die
Gleichberechtigung sind wirtschaftliches Elend, mangelhafte Ausbildung und
alte Traditionen und Tabus.
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